Gestern wollte eine Bekannte mit mir einen Telefontermin ausmachen. Sie hat immer nur bis 15:00 Zeit und möchte daher immer gegen 14:00 telefonieren. Da ich bis 14:00 arbeite, ist das oft nicht so einfach. Manchmal können wir während meiner Arbeit bzw. während meiner Pause telefonieren. Diese Woche geht das jedoch nicht, also fragte sie, ob wir nicht morgens telefonieren können. Als ich diese Worte hörte, verspürte ich sofort totalen Widerstand und ich habe ihr gesagt, dass wir den Telefontermin dann diese Woche ausfallen lassen müssen.
Mir ist der Morgen sehr wichtig. Es ist für mich die Zeit des Tages, in der ich die meiste Ruhe und den engsten Kontakt zu mir selbst habe. Ich stehe früh auf, um Zeit für mich zu haben und nutze diese Zeit recht unterschiedlich. Oft mache ich Yoga und trinke danach einen Kakao. Manchmal geniesse ich aber auch einfach so die Stille. Die Morgenstunden haben für mich etwas magisches – sie geben mir sehr viel und sind mir ein Art Heiligtum geworden. Es ist auch nicht viel Zeit, die ich am Morgen effektiv explizit für mich nutzen kann, da ich mich ja für den Tag vorbereiten und auch zeitig zur Arbeit fahren muss. Sie ist meine me-time geworden, aber das ist auch noch nicht sehr lange so. Zwar bin ich schon seit vielen Jahren Frühaufsteherin und nutze die Zeit schon irgendwie, um morgens ausreichend Ruhe zu haben, aber dass sie so meine me-time und damit zu echter Qualitätszeit geworden ist, das ist noch nicht so super lange her und richtig bewusst war mir das auch noch nicht. Dass ihr Stellenwert bei mir einen deutlichen Sprung gemacht hat in letzter Zeit, hatte ich bereits registriert, aber nicht wie sehr. Das erschloss sich mir erst durch die Situation mit der Bekannten und meiner inneren Reaktion auf ihren Vorschlag, morgens zu telefonieren. “Morgens telefonieren – wie absurd!” – nein, Spass beiseite :-)
Wir haben heute Nachmittag telefoniert – ich konnte etwas früher Feierabend machen und somit Zeit für unser Telefonat einräumen. Wir sprachen auch genau hierüber. Ich entschuldigte mich bei ihr, weil ich glaube, etwas forsch gewesen zu sein in der Sprachnachricht, in der ich ihr sagte, dass ich morgens nicht telefonieren will. Sie hatte das gar nicht so forsch empfunden und hatte vollstes Verständnis fuer meinen Standpunkt. Sie sagte, sie würde auch gern morgens so eine Zeit haben und würde, wie ich, auch oft morgens Beweglichkeitstraining machen. Auch sie ist Sportlerin.
Ich bin dieser ganzen Situation sehr dankbar und bin froh, dass ich sie so bewusst erleben konnte. Diese starken Gefühle zu haben und sie zu reflektieren und so auch das Ausmaß einer längst passierten Veränderung wahrzunehmen… ich mag sowas sehr <3